Brief an Anna von Haxthausen, 1. Dezember 1820

Der Brief an die Tante bezieht sich auf einen drastischen Augenblick im Sommer 1820. Die damals 23-jährige Annette von Droste-Hülshoff hält sich bei der Familie von ihrer Mutter auf. Die Familie von Haxthausen lebt in Bökendorf in Ost-Westfalen. Die Dichterin und der Student Heinrich Straube kommen sich dabei näher. Sein Freund August von Arnswaldt lockt sie in eine Falle. Er will Droste-Hülshoff vor Straube in ein schlechtes Licht rücken. Ein Onkel und die Empfängerin vom Brief sind vermutlich in den Plan eingeweiht. Droste wendet sich nach diesem Verrat für lange Zeit von den Verwandten aus Bökendorf ab.
Thema
Briefe
Alter
10-99
Material
Text Audio
Sprache
Deutsch
Brief an Anna von Haxthausen, 1. Dezember 1820
Brief an Anna von Haxthausen, 1. Dezember 1820

An Anna von Haxthausen in Bökendorf

 

Hülshoff, 1. Dezember 1820

[…]

– Ich habe vielleicht manches unberührt gelassen, was dich vor Allem schmerzt, willst du darüber ins Reine sein so schreib mir, ich möchte vielleicht noch Einiges sagen können, aber ich glaube es kaum, denn ich muß viel gestehen, ich bin sehr gesunken, tiefer wie du denkst aber nicht aus Verhärtung. – dafür habe ich nun auch schon drey Monathe und drüber gelitten wie ich früher keine Idee davon hatte und das wird auch wohl dauern so lange ich lebe darum sollt ihr mich auch nicht schimpfen und quälen, sondern vor euch sehen daß ihr nicht fallt. – Ich bin zuweilen etwas wild, wenn ich mal nicht an Straube denke, sondern nur wie ihr jetzt blindlings auf mich loshackt, aber das kömmt selten, denn ich denke Tag und Nacht an Straube ich habe ihn so lieb, daß ich keinen Namen dafür habe, er steht mir so mild und traurig vor Augen, daß ich oft die ganze Nacht weine und ihm immer in Gedanken vielerley erkläre was ihm jetzt fürchterlich dunkel sein muß, ach Gott wenn ich ihm nur schreiben dürfte, dann wüßte ich wohl noch allerhand, was ich ihm allein sagen kann. – Ich arbeite allerley kleine Sachen und denke sie wären für Straube das erleichtert mich außerordentlich […]