Der Dichter - Dichters Glück

Das Gedicht von 1844 zeigt zwei Welten. Hier die dichtende Person, dort die Gesellschaft oder das Publikum. Die dichtende Person ist wie ein Außenseiter oder eine Außenseiterin mit viel Fantasie. Die Gesellschaft ist wohlhabend und will sich unterhalten lassen. Das Publikum wird im Gedicht kritisiert. Es erkennt nicht den hohen Preis, den die dichtende Person zahlt: Denn die Dichtwerke entstehen unter Schmerzen. Disteln verwandeln sich in Rosen. Aus Tränen werden Perlen und Korallen. Die dichtende Person opfert sich für ihre Kunst auf. Diese Idee hat eine lange Tradition.
Thema
Schreiben
Alter
10-99
Material
Text Audio
Sprache
Deutsch
Der Dichter - Dichters Glück
Der Dichter - Dichters Glück

Die ihr beim frohen Mahle lacht,
Euch eure Blumen zieht in Scherben
Und, was an Gold euch zugedacht,
Euch wohlbehaglich laßt vererben,
Ihr starrt dem Dichter ins Gesicht,
Verwundert, daß er Rosen bricht
Von Disteln, aus dem Quell der Augen
Korall' und Perle weiß zu saugen;

Daß er den Blitz herniederlangt,
Um seine Fackel zu entzünden,
Im Wettertoben, wenn euch bangt,
Den rechten Odem weiß zu finden:
Ihr starrt ihn an mit halbem Neid,
Den Geisteskrösus seiner Zeit,
Und wißt es nicht, mit welchen Qualen
Er seine Schätze muß bezahlen.

Wißt nicht, daß ihn, Verdammten gleich,
Nur rinnend Feuer kann ernähren,
Nur der durchstürmten Wolke Reich
Den Lebensodem kann gewähren;
Daß, wo das Haupt ihr sinnend hängt,
Sich blutig ihm die Träne drängt,
Nur in des schärfsten Dornes Spalten
Sich seine Blume kann entfalten.

Meint ihr, das Wetter zünde nicht?
Meint ihr, der Sturm erschüttre nicht?
Meint ihr, die Träne brenne nicht?
Meint ihr, die Dornen stechen nicht?
Ja, eine Lamp' hat er entfacht,
Die nur das Mark ihm sieden macht;
Ja, Perlen fischt er und Juwele,
Die kosten nichts — als seine Seele.