Droste Pad - Begegnung mit Bela Winkens: Brief an die Mutter

Begegnung mit Bela Winkens: Brief an die Mutter

Dieses Droste Pad ermöglicht einen Einblick in die Erfahrungen einer Holocaust-Überlebenden. Es lässt sich in Kombination mit dem Droste Pad »Antisemitismus im Wandel« bearbeiten.
Thema
Erinnern Geschichte Antisemitismus
Alter
16–99
Dauer
45 Minuten120 Minuten
Material
Text Audio
Aktionen
Sprache
Deutsch
Bela Winkens' 'Brief an die Mutter' (2025)

Anleitung

Die Bearbeitungsdauer des vollständigen Kapitels beträgt zwei Stunden. Lies zunächst den biografischen Überblick zu Bela Winkens' Leben. Widme dich anschließend den fünf Auszügen aus ihrem Text. Zu jedem Auszug gibt es Anregungen für eine intensivere Auseinandersetzung, die Du als Orientierungshilfe nutzen kannst. Der erste Auszug sollte als Einführung verpflichtend angehört werden. Die Bearbeitungsdauer von zwei Stunden kann bei Bedarf auch verkürzt werden, indem nicht alle darauffolgenden Ausschnitte behandelt werden.

 

 

 

Bela Winkens wurde 1941 als Bela Heymann in Berlin geboren. Ihre Großeltern und Eltern wurden 1942 bzw. 1943 in KZs deportiert und ermordet. Bela kam zuvor [...] durch ihren Großvater zu Verwandten ins Ruhrgebiet und im Juni 1943 wurde sie in Bochum in einem katholischen Kinderheim untergebracht. Das Heim wurde in der folgenden Nacht bombardiert, die Kinder wurden evakuiert. So blieb sie als 'Elisabeth' in Nordhessen, ihre Identität flog dennoch auf, sie wurde ins Jüdische Krankenhaus in Berlin gebracht, von dort nach Theresienstadt deportiert. 1946 nahm das Ehepaar Winkens sie in Düsseldorf auf und adoptierte sie. Mitte der Fünfzigerjahre spielte sie in einem Theaterstück im nahegelegenen Holland die Rolle der Anne Frank, nach dem Abitur schloss sie eine Schauspielausbildung in Berlin ab und arbeitete danach als Schauspielerin. Erst 1996 war sie in der Lage, ihre Memoiren als Brief an ihre Mutter niederzuschreiben.
Bela Winkens. In: Verbrecher Verlag, https://www.verbrecherverlag.de/autor_innen/bela-winkens/ [letzter Zugriff: 30.11.25].
Der Holocaust als Trauma – Zwischen Vergessen-Wollen aber Erinnern-Müssen und Erinnern-Wollen aber Vergessen-Müssen

Bearbeitungsdauer: 40 Minuten

Anregungen

  1. Halte etwas zum Schreiben bereit und starte die Audiodatei. Fallen Dir sprachliche Besonderheiten auf? Notiere beim Hören markante Wörter / Ausdrücke und solche, die außergewöhnlich ausgesprochen werden. 

  2. Nach dem Hören der Audiodatei:

    Schaue Dir Deine Notizen an. Welchen Effekt hatten die von Dir aufgeschriebenen Worte beim Zuhören auf Dich? Schreibe dies stichpunktartig neben jedes notierte Wort. Zum Beispiel: 

    1. Wort: Er-innern Effekt: Irritation, Stolpern, Umdenken

  3. Woran erinnert sich Bela Winkens? Was erschwert die Erinnerung? Und warum ist es ihr wichtig, sich zu erinnern? Schreibe Deine Antwort als kurzen Text (10 bis 15 Sätze) auf. 

  4. Mit Worten zeichnet Bela Winkens ein mehrstöckiges und verwinkeltes Erinnerungsgebäude. Könnten wir eintreten? Inwiefern (nicht)? Positioniere Dich in einem kurzen Text (10 bis 15 Sätze). 

Aus- und Eingrenzung – Deportation – Vernichtung. Wer wusste was?

Bearbeitungsdauer: 15 Minuten

Anregungen

  1. Beantworte bevor Du die Audio abspielst folgende Frage: Was bedeutet allgemein »Verantwortung« für Dich? Was verbindest Du mit diesem Begriff? Veranschauliche Deine Ideen mithilfe einer Mindmap. 

  2. Höre nun die zweite Audiodatei. Stelle Dir anschließend folgende Fragen: Welche Rolle spielt »Verantwortung« in Bela Wilkens Darstellung der Ereignisse? Wer übernimmt Verantwortung – und mit welchen Folgen? Wer übernimmt keine Verantwortung – und mit welchen Folgen? 

Menschlichkeit und Ent-menschlichung

Bearbeitungsdauer: 15 Minuten

Anregung: 

Im ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes aus dem Jahr 1949 steht geschrieben »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Höre die dritte Audiodatei. Halte anschließend schriftlich fest oder diskutiert gemeinsam in der Gruppe: Wo zeigt sich in diesem Abschnitt von Bela Winkens Lebensgeschichte »Menschlichkeit« (als Ausdruck von Empathie und Würde)? Wie zeigen sich andererseits verschiedene Ausprägungen der Ent-menschlichung?

Der Preis eines Menschenlebens – Die Schuld eines Menschenlebens

Bearbeitungsdauer: 15 Minuten

Anregungen: 

  1. Bevor Du die Audiodatei abspielst, stelle Dir folgende Frage: Wie viel kostet ein Menschenleben? Notiere Deine Antwort in wenigen Stichpunkten. Höre anschließend die Audio. 

  2. Überlege nach dem Hören: Welchen »Preis« zahlen die Überlebenden? Wer steht in wessen »Schuld«?

Holocaust-Dichtung. Die (Un-)Möglichkeit, Worte zu finden

Bearbeitungsdauer: 35 Minuten

Anregungen:

  1. Höre das Gedicht von Bela Winkens und lass es zunächst nur auf Dich wirken. Höre es dann ein weiteres Mal. Notiere anschließend stichpunktartig Gedanken, Gefühle und Eindrücke, die Dir unmittelbar nach dem Hören in den Sinn kommen. Was kommt in dem Gedicht Deiner Meinung nach zum Ausdruck? Notiere Schlagworte.

  2. Höre nun das Gedicht Verwundert der jüdischen Lyrikerin und Holocaustüberlebenden Rose Ausländer (1901-1988) sowie das Gedicht Psalm des jüdischen Lyrikers und Holocaustüberlebenden Paul Celan (1920-1970).

    1. Verwundert  (24 Sek) 

    2. Psalm (1 Min 8 Sek) 

  3. Lassen sich in allen drei Gedichten Gemeinsamkeiten (Themen, Gefühle, Stil) finden? Wie könnten diese benannt werden?

Antisemitismus heute

Am 6. Oktober 2025 veröffentlicht Deutschlandfunk einen Artikel mit dem Titel »Juden in Deutschland: Beleidigt, bedroht und oft in Angst«. Der Hörfunksender schreibt: 

»Juden in Deutschland werden seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vor zwei Jahren vermehrt angefeindet, zeigt eine neue Studie. Auch die antisemitischen Straftaten sind deutlich gestiegen. Kann der Antisemitismus gestoppt werden?«
o.A.: Wachsender Antisemitismus. Juden in Deutschland: Beleidigt, bedroht und oft in Angst. In: Deutschlandfunk, 06.10.2025. https://www.deutschlandfunk.de/antisemitismus-deutschland-104.html [letzter Zugriff: 07.12.25]

Die letzten politischen und militärischen Eskalationen des Nahostkonflikts haben die gesellschaftlichen Gräben vertieft – auch in Deutschland. Die emotional aufgeheizte Debatte und radikalisierte Rhetorik lässt kaum Raum für Zwischentöne, die dem komplexen Konflikt gerecht werden könnten. Dies schafft einen idealen Nährboden, um alte und neue Mythen, Feindbilder und Ängste in Form von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus zu schüren. Zur gleichen Zeit verschwindet weltweit eine zentrale Säule der Holocaust-Aufklärung, die jüdischen Überlebenden, während Parteien wie die rechtsextreme AfD und ihre Anhänger einen »Schlussstrich« hinter der NS-Vergangenheit fordern. 

Was macht die oben geschilderten Entwicklungen so problematisch? Was können wir als Gesellschaft und was kann ich als Individuum tun, um dem entgegenzuwirken? Und warum ist es überhaupt wichtig, Verantwortung zu übernehmen – für das Holocaust-Gedenken und für den Schutz jüdischen Lebens? Funktioniert das eine ohne das andere? Die Fragen können auch gemeinsam in der Gruppe diskutiert werden.

Pad entwickelt von Maria Pauli. 

Eingesprochener Text: Brief an die Mutter von Bela Winkens, erschienen im Verbrecher Verlag, Berlin 2025.
Text eingesprochen von Lena Gorelik. Aufnahme und Schnitt von Nicolas Sierig.

Dieses Droste Pad wurde ermöglicht durch das Programm MITEINANDER REDEN, gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe".